ElClassico 2026: 13:1 – Bürgerschützen prüfen Protest, Kass rettet die Ehre

Geschrieben am 28.09.2026
von Sven Becker

Lingen – Manchmal erzählt ein Fußballergebnis nur einen kleinen Teil der Wahrheit. Und manchmal wäre es vielleicht sogar besser, wenn es gar nichts erzählen würde.

Das traditionsreiche ElClassico zwischen den Lingener Bürgerschützen von 1838 e.V. und dem Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen „Die Kivelinge“ e.V. endete in diesem Jahr mit einem Ergebnis, das aus Sicht der Bürgerschützen einer gewissen historischen Einordnung bedarf: 13:1 für die Kivelinge.

Doch wer nun glaubt, damit sei alles gesagt, kennt das ElClassico schlecht.

Schon vor dem Anpfiff hatten die Bürgerschützen nichts unversucht gelassen, um die sportliche Zeitenwende einzuleiten. Mit Peter Flatken stand erstmals ein Mann an der Seitenlinie, der die Gegenseite bestens kennt. Der ehemalige Kommandeur der Kivelinge und Neu-Bürgerschütze übernahm im neuen Verein unverzüglich Verantwortung als Trainer. Ein klassischer Fall von Insiderwissen also.

Leider zeigte sich im Laufe der Partie: Man kann den Gegner noch so gut kennen – und trotzdem nicht verhindern, dass er Tore schießt. Viele Tore.



Auch prominente Verstärkung konnte nicht helfen. Mit Jens Hofschröer lief für die Bürgerschützen der neue Lingener Oberbürgermeister auf. Doch selbst diese kommunalpolitische Verstärkung konnte an diesem Nachmittag die Kräfteverhältnisse auf dem Rasen nicht entscheidend verändern. Die Erkenntnis nach 90 Minuten: Wahlen und Fußballspiele haben offenbar eines gemeinsam – am Ende werden die tatsächlichen Stimmen beziehungsweise Tore gezählt.



Kass übernimmt Verantwortung

Dass die Bürgerschützen nicht vollständig ohne zählbaren Erfolg vom Platz gingen, ist Benjamin Kass zu verdanken. Nach einem – aus Bürgerschützensicht selbstverständlich vollkommen berechtigt zugesprochenen, von neutralen Beobachtern möglicherweise etwas weniger eindeutig bewerteten – Elfmeter übernahm Kass Verantwortung.

Er trat an. Er traf.

Was andernorts als Ergebniskosmetik bezeichnet worden wäre, hatte beim ElClassico eine ganz andere Dimension: Es war der Moment, in dem die Bürgerschützen noch einmal deutlich machten, dass man sie niemals abschreiben darf. Zumindest nicht vollständig.

Der Treffer wurde entsprechend gefeiert. Denn wer weiß schon, ob bei einer späteren sportgerichtlichen Neubewertung nicht genau dieses eine Tor noch von entscheidender Bedeutung sein könnte?



Erste Zweifel am ordnungsgemäßen Spielbetrieb

Denn während die Kivelinge nach Abpfiff offenbar davon ausgingen, einen sportlich überzeugenden Sieg eingefahren zu haben, begann bei den Bürgerschützen bereits die detaillierte Aufarbeitung des Spielgeschehens. Dabei rückten zunehmend Vorgänge in den Fokus, die Fragen aufwerfen.

So soll es während der Partie bei einzelnen Akteuren der Kivelinge zu einer auffälligen leistungssteigernden Flüssigkeitszufuhr gekommen sein. Besonders bemerkenswert: Die Einnahme soll teilweise während des laufenden Spielbetriebs und unter den Augen des jungen Unparteiischen erfolgt sein.

Ob Bier nach den einschlägigen ElClassico-Regularien tatsächlich als verbotene leistungssteigernde Substanz einzustufen ist, wird derzeit noch geprüft. Zumindest aus Sicht der Bürgerschützen kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass hierdurch insbesondere Laufbereitschaft, Zweikampfhärte oder zumindest die subjektiv empfundene eigene Spielstärke erheblich beeinflusst wurden.

Dass der Schiedsrichter trotz dieser offensichtlich offenen Form der „Supplementierung“ nicht einschritt, dürfte Bestandteil der noch anstehenden internen Analyse werden.



Spielberechtigungen unter Beobachtung

Doch damit nicht genug. Auch zwei Tage nach der Begegnung halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach auf Seiten der Kivelinge möglicherweise Spieler eingesetzt worden sein sollen, deren vereinsrechtliche Zugehörigkeit zumindest einer näheren Betrachtung bedarf.

Die Bürgerschützen betonen ausdrücklich: Bislang handelt es sich hierbei um nicht bestätigte Hinweise. Dennoch drängen sich Fragen auf: Waren wirklich alle eingesetzten Akteure ordnungsgemäß für die Kivelinge spielberechtigt?

Und vor allem: Wie viele der 13 Tore würden bei einer konsequenten Überprüfung eigentlich noch Bestand haben?

Die sportliche Leitung der Bürgerschützen dürfte deshalb gut beraten sein, zunächst sämtliche verfügbaren Video- und Bildaufnahmen auszuwerten, bevor das Ergebnis endgültig Eingang in die historischen Statistiken des ElClassico findet.



Trainer Flatken genießt weiterhin volles Vertrauen

Ungeachtet des Resultats steht Trainer Peter Flatken selbstverständlich nicht zur Diskussion. Im Gegenteil.

Wer eine Mannschaft nach einer heftigen Niederlage im Vorjahr übernimmt und bereits im ersten Jahr dafür sorgt, dass sie auch weiterhin genügend Entwicklungspotenzial besitzt, verdient Zeit. Der Vorstand wird deshalb voraussichtlich an seiner langfristigen Strategie festhalten.

13 Gegentore sind schließlich auch 13 individuelle Möglichkeiten zur Fehleranalyse.

Und das eigene Tor zeigt eindeutig: Das offensive Konzept des Trainers beginnt bereits zu greifen.



Das Ergebnis? Eine Momentaufnahme.

So bleibt am Ende ein 13:1, das nüchterne Statistiker möglicherweise als deutlichen Sieg der Kivelinge einordnen werden. Die Bürgerschützen hingegen haben erneut bewiesen, dass sich ein ElClassico nicht allein über Zahlen definieren lässt. Sie hatten einen neuen Trainer. Sie hatten prominente Verstärkung. Sie erzielten ein Tor.

Das Ergebnis mag deshalb 13:1 lauten. Das letzte Wort im ElClassico 2026 ist damit aber noch lange nicht gesprochen.

Bis zur endgültigen Klärung aller offenen Fragen gratulieren die Lingener Bürgerschützen den Kivelingen selbstverständlich zu ihrem – nennen wir es vorsichtshalber – vorläufigen sportlichen Erfolg.

Und eines steht ohnehin bereits heute fest: 2027 wird wieder angegriffen.

Denn Tradition bedeutet schließlich nicht, immer zu gewinnen. Tradition bedeutet, jedes Jahr wieder anzutreten – und hinterher eine überzeugende Erklärung zu haben, warum das Ergebnis eigentlich gar nicht so wichtig war.

Sven Becker
Schriftführer Lingener Bürgerschützen

 

P.S:: Vielen Dank an dieser Stelle an den ASV Altenlingen, der auch in diesem Jahr das Stadion zur Verfügung gestellt hat und für das hervorragende Catering gesorgt hat!

 





Der neu gestiftete Veltins-Wanderpokal geht 2026 an die Kiveling.


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